Jugend-Meeting 2010

Nach vier so intensiven Tagen ist es schwierig, auf Papier zu bringen, was ich erlebt habe. Aber ich will es versuchen, um allen, die nicht dabei waren, etwas von dieser Realität der geeinten Welt weiterzugeben.

Aus der Schweiz sind wir zu fünfzehnt mit zwei kleinen Bussen gestartet. In kurzer Zeit ist auf diesem kleinen Raum ein super Klima entstanden. Jeder von uns war offen für den anderen und bereit, sich ganz zu verschenken: mit seiner Geschichte, einem Lächeln, dem Zuhören. Am Freitag morgen ist das noch sichtbarer geworden, beim frühstücken waren wir eine grosse Familie, es schien, dass wir uns immer schon kannten.

Viele Wege zu einer geeinten Welt

Der Titel des ersten Tages war „Viele Wege zu einer geeinten Welt“. Nach der Erklärung, was die Jugendlichen für eine geeinte Welt sind, haben einige Leute ihre Erfahrung erzählt. Ich war wirklich tief getroffen. Es waren nicht nur Christen, sondern auch Atheisten und Muslime. Wir waren 650 von dreissig Nationen und wir sprachen elf verschiedene Sprachen, aber ich fühlte mich wie zu Hause… Warum? Warum wurden alle diese Unterschiede plötzlich zweitrangig? Die Antwort ist sehr einfach: weil wir für das gleiche Ideal leben, das uns atmen lässt und das wir mit allen Fasern unseres Seins suchen. Wir glauben, dass es keine Utopie ist, die Einheit kann heute und auch in der Zukunft Wirklichkeit sein.

Es gab viele Gespräche und ich hatte den Eindruck, dass alles, was gesagt wurde, nur für mich war. Alles war so wahr. Wir haben gehört, wie einfach sich die Jugendlichen heute verlieren. Es wurden sehr konkrete Beispiele gemacht, die uns zeigten, wie uns die moderne Technik negativ beeinflussen und uns in eine Sinnkrise führen kann. Wir müssen die Kraft haben, uns zu beherrschen und uns nicht in die Irre führen zu lassen. Wir müssen dafür sorgen, dass all das die Kommunikation zwischen den Menschen nicht stört.

Am Nachmittag haben wir ein Video mit Chiara Lubich am Genfest 1990 gesehen und es ist unglaublich wie ihre Worte immer so aktuell und voller Licht sind, sie war spürbar präsent. Sie ist der Beweis, dass alles möglich ist, wenn wir lieben.

Danach haben wir einige Erfahrungen von Studenten der Universität Sophia gehört. Wenn es in jeder Schule so eine Atmosphäre gäbe, wäre es für alle eine Freude zu studieren.

Am Ende des Tages, vor dem grossen Fest mit multikulturellen Beiträgen, hatten wir die Möglichkeit an einem der fünf Workshops teilzunehmen: „Projekt Afrika“, „Abrüstung“, „Woche der geeinten Welt und Massenmedien“, „Politik und Geschwisterlichkeit“ und „von der Solidarität zur Geschwisterlichkeit“.

Projekt Stadt

Projekt Stadt“ ist der Titel des zweiten Tages. Nach der Einführung der Band hat Padre Amedeo über den Schmerz und die Schwierigkeiten der Jugend gesprochen. Der Titel seines Vortrags war „Nur in der Nacht sieht man die Sterne“.

Alle von uns wissen, dass unser Wachstum mit Schmerz verbunden ist, aber vielleicht nicht alle wissen, wie sie mit diesem Schmerz umgehen können, weil sie ihn ablehnen. Der Schmerz, sagte er, ist ein Geheimnis und sehr oft eine Konsequenz von einem Übermass der Freiheit, aber wir müssen sicher sein, dass jedes Leiden nützlich ist! Wir sollen den Schmerz aus Liebe leben und bereit sein, uns zu „verlieren“. Nur wer sich selbst aufopfert, besitzt sich wirklich. Wir sollen uns ganz den anderen geben und jede Person, die uns begegnet, wie ein Geschenk annehmen. Und wenn wir alle so leben würden, was für eine Revolution würde es geben? Wir haben entdeckt, dass der Schmerz ein Sprungbrett ist.

Nachdem wir so in die Tiefe gegangen sind, haben wir weitere Erfahrungen von Personen, die in Rom leben, gehört. Ein Ehepaar, er aus Afghanistan und sie aus Asien, hat von ihrer Beziehung gesprochen. Eine Familie hat uns erzählt, wie sie mit einem Gefangenen zusammengelebt haben und einige Jugendlichen haben uns gesagt, wie sie das Ideal der Einheit ins Spital gebracht haben.

Diese Erfahrungen, die von denen erzählt wurden, die sie selbst leben oder gelebt haben, sind ein grosser Reichtum und sollten nie in einer dunklen Ecke unseres Geistes vergessen werden. Wir  sollten hingegen ständig daran denken, um Kraft zu erhalten und uns zu sagen „ich gebe nicht auf, wenn ich liebe, ist es möglich“.

Am Nachmittag sind wir alle zusammen weggefahren, um Rom zu entdecken. Es war ein echtes Abenteuer, denn die Organisation musste sich der Anzahl der Teilnehmer anpassen, die bis eine Woche vor dem Treffen „nur“ 300 waren. Wir sind von Castel Gandolfo mit zwölf Bussen gestartet. Die erste Etappe war St. Peter, dann die Engelsburg und am Ende die Piazza Navona.

Wunderschön die malerischen Strassen und das warme Licht der Lampen. Es war eine Atmosphäre, die ich nicht vergessen kann, vor allem weil die Gesellschaft alles noch zauberhafter machte.

Sogar das Abend-Picknick war angenehm, obwohl die Februar-Kälte nicht fehlte und wir es im stehen assen. Vor uns das beleuchtete Kolosseum. Das waren unbezahlbare Augenblicke am Ende dieses zweiten Tages.

Eine Stadt genügt nicht

Das Thema des letzten Morgens war: „Eine Stadt genügt nicht“. Um dieses Thema einzuführen, haben wir das Video von Chiara bei ihrem Besuch in Ammann (1999) gesehen. Für sie war es sehr wichtig und wesentlich, mit der ganzen Welt in den Dialog zu treten und dieses Projekt für eine geeinte Welt weiter zu bringen, mit Hilfe der Goldenen Regel, die sagt: „tu niemandem etwas, das auch dir nicht gefällt“.

Manchmal denke ich, dass es gut wäre, wenn es in der Schule ein neues Fach gäbe: „Die Kunst zu lieben“, und die Geschichte dieser unglaublich starken Frau zu erzählen, die uns alle hier zusammengebracht hat, um etwas anderes und einzigartiges in die Welt zu bringen, etwas was uns alle gleich macht und uns eine Leichtigkeit ins Herz legt. Unser Glück ist in den anderen, und wenn wir das verstanden haben, können wir in die Welt gehen und der Liebe singen.   

Sara Michilin, 23. Februar 2010

 

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