Der Liebe Gottes auf der Spur
Warum hat mich Gott gern? Und wie soll ich auf diese Liebe antworten? 40 junge Erwachsene aus der ganzen Schweiz stellten sich im Kurs «Gott liebt dich? Und du?» diesen Fragen. Die drei Tage über Pfingsten zeigten: Glaube hat auch bei Theologen ganz viel mit dem Leben zu tun.
von Angela Stillhart und Martin Niederer
Organisiert haben das Treffen die Jugendlichen der Fokolar-Bewegung im Begegnungs- und Bildungszentrum «Eckstein» in Baar. Eingeladen waren alle Interessierten in ihrem Alter. Den jungen Leuten schien kein Weg zu weit sein in die Innerschweiz. Sie kamen aus St. Gallen, aus Basel, ja gar aus dem Wallis und dem Tessin. «Zuhause bin ich abgelenkt von so vielen Dingen, da hat Gott wenig Platz. An diesem Weekend habe ich Zeit, mich mit meinem Glauben auseinanderzusetzen», begründet Maria Chiara aus Agno ihre Teilnahme.
Durch den Kurs leiteten die katholische Theologin Anita Francioli und der reformierte Theologe Peter Dettwiler aus Baar zusammen mit dem katholischen Priester Fulvio Gamba aus Egg ZH. «Wir wollen aber nicht als Spezialisten angesehen werden», stellte Anita Francioli zu Beginn klar. Vielmehr sei es ein gemeinsames Suchen nach der Wahrheit. Dettwiler ergänzte: «Physik muss ich mir zuerst erklären lassen. Bei der Theologie bringen alle ihre persönliche Glaubenserfahrung mit.»
Auf diesem Prinzip war der Kurs aufgebaut. Eine halbe Stunde sprachen die Theologen jeweils über ein Thema wie der Ruf Gottes an den Menschen, die Liebe mit Taten und wie wir aus der Liebe leben können.
Danach wurde der Kreis geöffnet. In Kleingruppen tauschten sich die Teilnehmenden über das Gehörte aus, bevor sie in einen Dialog mit den Referenten traten. Hier war Raum, um auf Unklarheiten einzugehen. Die jungen Erwachsenen gingen auch kritisch auf die Themen ein.
Wie denn die zehn Gebote zu verstehen seien, sind das Tipps für ein gutes Leben oder vielleicht doch etwas mehr? Eine Frage, die viele der Anwesenden bewegte und eine rege Diskussion hervorrief. Und woher komme Gott eigentlich? «Alles hat doch irgendwo einen Ursprung. Wie ist das mit Gott?» fragte ein Gymnasiast aus der Ostschweiz.
Immer wieder schauten sich auch die drei Theologen fragend an. Die Jugendlichen hatten sie herausgefordert. Die gemeinsame Suche verwirklichte sich, als die jungen Teilnehmenden gleich selber mit persönlichen Erfahrungsberichten antworteten. Dazu trug auch die familiäre Ambiance unter allen bei.
«Als sich die Experten am ersten Tag vorstellten, dachte ich, ich werde die Hälfte der Gespräche nicht verstehen», gestand Marco aus St. Gallen ein. «Doch dann war es genial, wie sie unsere Fragen beantwortet haben. Sie haben Studium auf der Seite gelassen und mit Erfahrungen aus dem Leben geantwortet.»
Auch Michael aus Luzern fühlte sich trotz vorangegangener strenger Arbeitswoche sehr wohl: «Ich freute mich sehr auf das Weekend, hatte aber auch etwas Bedenken, dass es zu kopflastig sein wird. Es war eine wohltuende Pause im Alltag. Heutzutage haben wir keine Zeit für Gott. Es gibt viele Momente, wo man sich schwach fühlt. Dann ist es wichtig, dass man an die Liebe Gottes glaubt.»
Vor allem der Erfahrungsaustausch unter allen – Experten und Teilnehmern – war sehr wertvoll, wie Amadeo aus Zürich unterstrich: «Der Mix zwischen Praktischem und Theoretischem gefiel mir. Wenn jemand erzählt, wie er eine Situation gemeistert hat, wie jemand etwas entschieden hat, das hilft mir auch später. Ich kann mich manchmal sehr gut an diese Dinge zurückerinnern und auf Erfahrungen von anderen zurückblicken. So kann ich auch aus einer Tiefe entscheiden und auch etwas weiter geben.“
Die Jugendlichen fühlten sich sichtlich wohl und schätzten auch die reichlich vorhandene Zeit für persönliche Gespräche in den Pausen, aber auch die Momente der Stille für das Gespräch mit Gott.
Die Frage «Gott liebt dich! Und du?» ist natürlich auch nach drei Tagen nicht beantwortet. Für Katia aus dem Kanton St. Gallen ist klar, jetzt gehe es erst richtig los: «Ich hoffe, dass ich das im Alltag leben kann und dass die anderen die Liebe Gottes durch mich erfahren können.»
Interviews mit den Kursteilnehmern
Fällt es Dir schwer, Gott als Liebe zu akzeptieren? Und wie reagierst, Du wenn Du merkst er liebt Dich?
Christina: Nein, schwierig ist nur ihn und seine Liebe in schwierigen Momenten zu erkennen. Und wenn ich erkenne, dass er mich liebt, dann freut mich das natürlich und dann versuche ich diese Liebe auch gleich weiterzugeben. Das hilft mir jeweils auch schwierige Momente zu überstehen.
Wie hast Du versucht, Gottes Liebe weiterzugeben?
Manuel: Da mich seine Liebe vor allem im Alltag erreicht, gebe ich sie auch dort gleich wieder weiter. Kürzlich hab ich zum Beispiel die Waschmaschine ausgeräumt, obwohl ich selber fürs Studium zu tun gehabt hätte. An diesen Liebesdienst an meine Mutter erinnere ich mich immer gerne!
Was bedeutet für dich aus der Liebe zu leben? Wie würdest Du das jemandem erklären?
Amadeo: Für mich bedeutet dies, so zu leben, als ob der Nächste, den es zu lieben gilt, Jesus wäre. Für jemanden, der nicht an Jesus glaubt, für den denke ich, heisst aus der Liebe zu leben, dass man den Nächsten so behandelt, wie man selber gerne behandelt werden möchte.
Was bedeutet für Dich Ja zu Gott zu sagen?
Claudia: Ich möchte Ihn mit meinem Ja akzeptieren, an erster Stelle. Dieses Ja muss ich aber immer wieder neu entdecken, dafür muss ich offen sein für das, was Er in mich hineingelegt hat, um dies dann auch in die Welt zu tragen.
Welchen Unterschied siehst Du zwischen menschlicher und göttlicher Liebe?
Marielène: Gott liebt einen unendlich, bedingunglos, und jeden in seiner Eigenheit. Die menschliche Liebe ist Arbeit und Entscheidung zugleich. Sie kann der göttlichen Liebe ähnlich werden, sie ist jedoch nie selbstverständlich. So wie im Beispiel des Kleinen Prinzen, der seine Rose hegt und pflegt, obwohl er auch das Rosenfeld entdeckt hat, so ist jede Liebe umso kostbarer je mehr sie gepflegt wird.
5. März – 28. August 2012
29. August – 2. September 2012